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Die Ballade von
El Muerto

Musiktheater von Diego Collatti und Juan Tafur
Premiere 6. Juni 2013

Ein Produktion von progetto semiserio in Koproduktion mit Wiener Festwochen/into the city und Volkstheater/Hundsturm

progetto semiserio narco corridos

Facts

EL FISCAL / Helmut Berger
EL MUERTO / Emanuel Fellmer
LA MADRE / Ingrid Habermann
LA CIEGA / Elisabeth Nelhiebel
CANTANTE / David Robinson
ROSA / Christina Scherrer

SCHLAGWERK / Aldo Aranda
PIANO / Diego Collatti
GITARRE / Jonas Skielboe
KONTRABASS / Juan Pablo Trad Hasbun
TROMPETE / Helmut Zsaitsits
VIOLINE / Kirill Maximov

KÜNSTLERISCHE LEITUNG/PRODUKTION /
Georg Steker
LIBRETTO / Juan Tafur
KOMPOSITION, MUSIKALISCHE LEITUNG /
Diego Collatti
REGIE / Hannan Ishay
DRAMATURGIE / Elisabeth Schack
BÜHNENBILD / Daniela Kerck, Hannah König
KOSTÜME / Markus Kuscher
LICHT / Hari Michlits
MASKE / Nina Sabary

REGIEASSISTENZ / Lena Lehmann
MITARBEIT PRODUKTION / Thomas Wittenberg
MITARBEIT DRAMATURGIE / Katrin Sippel
ASSISTENZ BÜHNE / Helene Spät
TECHNISCHE ASSISTENZ / N.N.

Premiere: 6. Juni 2013

weitere Vorstellungen:
8./10./11./12./14. und 15. Juni 2013,
jeweils 20: Uhr

Aufführungsort:
Hundsturm (Margaretenstraße 166, 1050 Wien)

Karten unter www.festwochen.at
und Telefon (+43-1) 589 22 11

Site-Art
Topic 2013: GATES

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9. Juni 2013, 20 Uhr
Podiumsdiskussion / Talk
„¡Viva la muerte! – Drogenkrieg in Mexiko“

mit Claudia del Castillo (AT/MX), Jeanette Erazo-Heufelder (De), Francesca Mendoza (MX), Juan Tafur (Co), José Manuel Valenzuela (MX)
Übersetzung: Lisa Ringhofer (AT)

14. Juni 2013
im Anschluss an die Vorstellung
Expertengespräch

mit Leo Gabriel (Sozialanthropologe, Journalist, Dokumentarfilmer und Lateinamerika-Experte),
Georgina Vargas Vera (Organisation Centro Prodh),
María Luisa Aguilar Rodríguez (Organisation Tlachinollan),
Agnieszka Raczynska (Mitarbeiterin einer Koordinierungsstelle von 50 mexikanischen Menschenrechtsgruppen)
Übersetzung: Werner Hörtner
Moderation: Tamara Schwarzmayr

Das künstlerische Interesse von progetto semiserio an sozialen Phänomenen und dem Menschen im Kontext seiner politischen und sozialen Umwelt als Motivation vorausgesetzt, findet in Mexiko unserer Einschätzung nach gerade einer der unglaublichsten gesellschaftlichen Transformations-prozesse statt. Die gelesenen Zeitungsberichte lassen uns irritiert und verstört zurück. Unvorstellbar, und doch brutale Realität für Million Menschen. Im Licht von Moral und Ethik scheint alles völlig auf den Kopf gestellt, in Frage gestellt, an der absoluten Grenze des irgendwie Fassbaren.

Die Ballade von El Muerto knüpft an eine lange Volkslied-Tradition in Mexiko an, den corridos. Durch Generationen hinweg, zogen die Corrido-Sänger von Stadt zu Stadt, gleich den mittelalterlichen Troubadouren, lieferten Nachrichten und erzählten Geschichten von Liebe und heroischem Mut; vor allem in der mexikanischen Revolution (1910-1920), in der sie die Taten der Helden des Unabhängigkeitskampfes besangen. Heute hat sich ihre Aufmerksamkeit anderen Helden, oder vielmehr „faschen Helden“ zugewandt: Den Bossen und den Auftragsmördern der Drogenkartelle.

Entlang der Geschichte von El Muerto (wörtlich: "Der Tote"), einem Auftragskiller und Drogen-Transporteur, der nun selbst zum Verhör in eine düstere Zelle verschleppt wird, taucht das Stück in diese Welt der Gewalt ein. Im Zuge seiner Gefangenschaft und der Befragungen erleben wir, wie El Muerto einem Chamäleon gleich stets seine Farben ändert, um alle zu täuschen, den Staatsanwalt (El Fiscal), wie auch das Publikum. Stimmen und Geister aus der Vergangenheit verfolgen ihn, ebenso wie die nun gesungenen narcocorridos, die Licht auf die vielen Lügen werfen, aus denen sein Leben zu bestehen scheint. Mit Fortdauer der Befragung wächst in ihm die Erkenntnis, dass er dieses Mal vielleicht nicht davon kommen wird.

Die Ballade von El Muerto handelt von Fragen der individuellen Freiheit, von der Verantwortung und der Möglichkeit sich zu entscheiden, und von der Unmöglichkeit aus einem System auszubrechen ohne in ein anderes zu gelangen. Wen Du mitmachst, bleibst Du immer ein Teil von etwas, das Du nie gänzlich kontrollieren kannst, eher kontrolliert es Dich! Das Stück erzählt vom „Mexikanischen Traum“, dem Versuch der eigenen Besserstellung, durch Teilnahme am Spiel der anderen: der Kartelle, der „padrones“, aber vielleicht auch des „Westens“. Von welch dominierender Bedeutung sind Systeme für den Einzelnen, das man dafür seine Seele verkauft und sein Leben lässt?