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GATES
Zwischen?Raum

4 Musiktheaterwerke zur sozialen Durchlässigkeit einer Gesellschaft

progetto semiserio gates

© Nick Mangafas

»Seelentore«
Jörg Ulrich Krah (Komposition), Susanne Felicitas Wolf (Libretto)

»Wärme«
Tamara Friebel (Konzept, Komposition, Text), Nathalie Latham (Video)

»Gate as my asshole«
Oliver Weber (Komposition), Nurkan Erpulat (Libretto)

»BILL«
Eine installative Raum-Klang Oper
Jorge Sanchez-Chiong (Komposition, Musikalische Umsetzung), Thomas Jelinek (Konzept, Text, Bühne)


Eine Produktion von progetto semiserio und Internationale Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) in Kooperation mit WIEN MODERN, mediaOpera und dem Palais Kabelwerk, mit Förderung der Kompositionsaufträge durch die Ernst von Siemens Musikstiftung.

Facts

KomponistInnen:
Tamara Friebel, Jörg Ulrich Krah, Jorge Sanchez-Chiong, Oliver Weber

AutorInnen:
Nurkan Erpulat, Tamara Friebel/Nathalie Latham, Thomas Jelinek, Susanne Felicitas Wolf

Mit:
Kaoko Amano (Sopran), Levent Bakirci (Bariton), Ingrid Habermann (Sopran), Andreas Jankowitsch (Bariton), Paul Schweinester (Tenor), Andrea Tiziani (Schauspieler)

Regie:
Peter Pawlik

Bühne:
Hari Michlits

Kostüme:
Nora Scheidl

Dramaturgie:
Georg Steker

Lichtdesign:
Thomas Jelinek

Videotechnik:
Peter Koger

Sounddesigner:
Florian Bogner / Markus Urban

Mediengestaltung BILL:
Thomas Wagensommerer

Orchester:
PHACE
Asim Al-Chalabi (Oud), Reinhard Fuchs (Künstlerischer Leiter), Lars Mlekusch (Saxophon), Rolend Schueler (Cello), Ruei–Ran Wu (Bandoneón)

Premiere:
14. November 2013, 19.30 Uhr

Weitere Vorstellungen:
15., 16., 17. November 2013, jeweils 19.30 Uhr

Ort: Palais Kabelwerk

Karten unter:
+43-1-242 002 (Tageskassa Konzerthaus Wien)
ticket@konzerthaus.at
www.wienmodern.at

Site-Art
Topic 2013: GATES

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Eine Einleitung

Vier kurze Musiktheater-Stücke, in denen je ein Team aus KomponistIn und AutorIn eingeladen ist, Statements zur Frage der soziokulturellen Durchlässigkeit, zu Toren in der Nebeneinandergesellschaft zu verfassen.

Nebeneinandergesellschaft erinnert an den populären Begriff der Parallelgesellschaften. An dieser Stelle wird nicht (nur) aus politischer Korrektheit auf diesen Begriff verzichtet, sondern auch, weil mit dem der Nebeneinandergesellschaft mehr gemeint ist, als die Themen, die immer wieder in den Nachrichten und der Politik unter dem Stichwort Integration thematisiert werden. Die Wortwahl Nebeneinandergesellschaft im Singular meint im Gegenteil zu Parallelgesellschaften im Plural diese eine Gesellschaft und projiziert keine anderen parallelen Gesellschaften.

Sie suggeriert keine durch unüberwindbare Grenzen durchzogene Gesellschaft, die durch die Integration der Einen in die Anderen, der Schwächeren durch die Stärkeren, der Minderheit durch die Mehrheit, der Ärmeren durch die Reicheren geeint werden kann und muss.

Vielmehr sehen wir und gehen davon aus, dass diese eine Gesellschaft von Hürden soziokultureller Art, Grenzen räumlicher Art – und seien es auch nur die eigenen vier Wände – durchzogen ist. Mauern und Grenzen, die uns oft Sicherheit geben, die den Erhalt von Tradition und Kultur befördern; Mauern anzugreifen ist nicht unsere Absicht; ob dies richtig und überhaupt möglich ist soll nicht unsere Frage sein.

Wir stellen die nicht minder gewagte Behauptung auf, dass es Tore gibt in diesen Mauern, Durchlässigkeit, die uns ermöglicht trotz oder gerade wegen einer scheinbar vollkommenen Verschiedenheit aus dem Nebeneinander ein Miteinander zu machen – Verständnis, Akzeptanz und Interesse füreinander zu finden.

Die acht KünstlerInnen haben sich für diesen Musiktheaterabend auf die Suche nach diesen Toren begeben. Diese sind nicht zuletzt darin gegeben, dass wir in einer gemeinsamen Ballungs-Raum-Zeit, einer Stadt leben, die viele Unterschiede aber auch permanente Berührung genauso produziert wie totale Singularität.

Es ist den KünstlerInnen weitestgehend freigestellt gewesen, ob ihre Arbeiten sich an den kulturellen Hürden orientieren, oder sich mit anderen, sozialen oder altersstrukturellen Bereichen unserer Gesellschaft, in denen ein Miteinander scheinbar unmöglich gewordenen ist, auseinandersetzen.

Dies kann die unüberbrückbare Kluft von den immer Reicheren zu den immer Ärmeren unserer Gesellschaft sein, aber auch zum Beispiel die kaum zu durchschlagende Mauer des Verstehens zwischen den Generationen, einer immer noch stehenden Hürde zwischen Hetero- und Homosexuellen Menschen und vielen anderen nebeneinander existenten Gemeinschaften.

Die vier in diesem konzeptuellen Rahmen entstanden eigenständigen Musiktheater-Werke werden an einem Abend hintereinander aufgeführt und ergeben so ein weites Spektrum unterschiedlicher Betrachtungen über die Momente und Orte der Mauern, aber vor allem der Durchlässigkeit in unserer aktuellen Gesellschaft.

Das Leitungsteam um den Regisseur Peter Pawlik wird alle vier Stücke in Szene setzen und für die Gussform des Abends sorgen, die diese vier Stücke zu einem sehr heterogenen und doch ganzen Theaterereignis verbindet.